Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) vergleichen
Jeder vierte Beschäftigte wird im Lauf des Arbeitslebens berufsunfähig. Die BU ersetzt Dein Einkommen, wenn Du Deinen Beruf nicht mehr ausüben kannst.
Stand: Juli 2026 · unabhängig recherchiert
Deine Arbeitskraft ist Dein größtes Vermögen: Wer mit 30 rund 3.000 € netto verdient, erarbeitet bis zur Rente über eine Million Euro. Fällt dieses Einkommen durch Krankheit oder Unfall weg, springt der Staat nur mit einer sehr niedrigen Erwerbsminderungsrente ein. Die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) schließt genau diese Lücke – sie gilt als die wichtigste private Absicherung neben der Privathaftpflicht.
Warum die BU so wichtig ist
Statistisch wird etwa jeder vierte Erwerbstätige vor dem Rentenalter mindestens einmal berufsunfähig (Quelle: Deutsche Aktuarvereinigung / GDV). Die häufigste Ursache sind längst nicht mehr Unfälle, sondern psychische Erkrankungen wie Depressionen und Burn-out – sie machen rund ein Drittel aller BU-Fälle aus, gefolgt von Erkrankungen des Skeletts und des Bewegungsapparats.
Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente ist kein Ersatz: Sie wird erst gezahlt, wenn Du in keinem Beruf mehr arbeiten kannst, liegt im Schnitt bei nur rund 950 € und wird bei teilweiser Erwerbsminderung noch einmal halbiert. Wer nach 2001 geboren wurde bzw. jung ist, hat oft gar keinen Anspruch mehr auf die alte Berufsunfähigkeitsrente des Staates.
Wie hoch sollte die BU-Rente sein?
Als Faustregel sollte die vereinbarte BU-Rente etwa 70–80 % Deines aktuellen Nettoeinkommens abdecken – schließlich musst Du davon auch Kranken- und Pflegeversicherung sowie ggf. Altersvorsorge weiter bezahlen. Die genaue Versorgungslücke ist die Differenz zwischen dem, was Du zum Leben brauchst, und dem, was Staat oder Arbeitgeber im Ernstfall leisten.
Wie groß Deine persönliche Lücke ist, rechnest Du in wenigen Sekunden mit dem BU-Lücken-Rechner aus. Wichtig: Vereinbare eine jährliche Rentendynamik (z. B. 1–3 %), damit die Rente über die oft jahrzehntelange Laufzeit nicht von der Inflation aufgezehrt wird.
Was kostet eine BU-Versicherung?
Der Beitrag hängt vor allem von vier Faktoren ab: Beruf (Bürojob günstiger als Handwerk), Eintrittsalter und Gesundheitszustand, Höhe der BU-Rente und Laufzeit (idealerweise bis zum 67. Lebensjahr). Wer früh abschließt, sichert sich niedrige Beiträge und einen guten Gesundheitszustand – beides lässt sich später nicht mehr zurückholen.
Die folgenden Werte sind grobe Orientierungswerte für eine BU-Rente von 1.500 € bis zum Alter 67 und ersetzen keinen individuellen Vergleich – der tatsächliche Beitrag kann je nach Anbieter und Gesundheitsprüfung deutlich abweichen.
Worauf Du beim BU-Vergleich achten musst
Bei der BU entscheidet nicht der Preis, sondern das Kleingedruckte. Der wichtigste Punkt: Ein guter Tarif verzichtet auf die abstrakte Verweisung. Sonst kann Dich der Versicherer im Leistungsfall auf irgendeinen anderen Beruf verweisen, den Du theoretisch noch ausüben könntest – und zahlt nicht.
Ebenso zentral sind eine Nachversicherungsgarantie (Rente bei Heirat, Geburt, Gehaltssprung ohne neue Gesundheitsfragen erhöhen), ein Prognosezeitraum von 6 Monaten statt „voraussichtlich dauerhaft" und weltweiter Versicherungsschutz. Achte außerdem auf finanzielle Stabilität des Versicherers, damit die kalkulierten Beiträge nicht dauerhaft angehoben werden.
Gesundheitsprüfung und Vorerkrankungen
Vor Abschluss musst Du Gesundheitsfragen wahrheitsgemäß beantworten – meist zu den letzten fünf (ambulant) bzw. zehn Jahren (stationär). Verschweigst Du etwas, riskierst Du im Leistungsfall den Versicherungsschutz. Hol Dir im Zweifel vorab einen Auszug Deiner Patientenakte.
Bei Vorerkrankungen lohnt eine anonyme Risikovoranfrage über einen Makler: Mehrere Versicherer prüfen, ohne dass eine Ablehnung in zentralen Auskunftssystemen gespeichert wird. Ist die klassische BU nicht möglich, sind eine Erwerbsunfähigkeits-, Grundfähigkeits- oder Dread-Disease-Versicherung mögliche Alternativen.
Beispielbeiträge BU (1.500 € Rente bis Alter 67) – grobe Orientierung
| Beruf | Eintrittsalter | ca. Monatsbeitrag |
|---|---|---|
| Bürokraft / Akademiker | 25 Jahre | 45–70 € |
| Bürokraft / Akademiker | 35 Jahre | 60–95 € |
| Krankenpfleger:in | 30 Jahre | 90–140 € |
| Handwerker (z. B. Dachdecker) | 30 Jahre | 150–250 € |
| Student:in / Azubi | 20 Jahre | 35–60 € |
Unverbindliche Näherungswerte, keine Beratung. Der individuelle Beitrag hängt von Anbieter, Gesundheitszustand, exakter Berufseinstufung und Vertragsdetails ab.
Diese Klauseln muss ein guter BU-Tarif enthalten
- Verzicht auf abstrakte Verweisung
- Nachversicherungsgarantie ohne erneute Gesundheitsprüfung
- Leistung ab 50 % Berufsunfähigkeit, 6-Monats-Prognose
- Rückwirkende Leistung ab Eintritt der BU
- Weltweiter Versicherungsschutz
- Beitragsstundung bei vorübergehenden Zahlungsschwierigkeiten
- Rentendynamik gegen Inflation
Passende Rechner
Häufige Fragen
Ab welchem Alter sollte man eine BU abschließen?
So früh wie möglich – idealerweise als Azubi, Student oder Berufseinsteiger. Je jünger und gesünder Du bist, desto niedriger der Beitrag und desto größer die Chance, ohne Ausschlüsse angenommen zu werden. Der niedrige Einstiegsbeitrag bleibt über die gesamte Laufzeit erhalten.
Was ist der Unterschied zwischen Berufsunfähigkeit und Erwerbsunfähigkeit?
Die BU zahlt, wenn Du Deinen konkreten, zuletzt ausgeübten Beruf zu mindestens 50 % nicht mehr ausüben kannst. Die staatliche Erwerbsminderungsrente gibt es nur, wenn Du in gar keinem Beruf mehr arbeiten kannst – ein viel strengerer Maßstab und deutlich niedrigere Leistung.
Zahlt die BU auch bei psychischen Erkrankungen?
Ja. Gute Tarife leisten unabhängig von der Ursache, also auch bei Depression, Burn-out oder Angststörung. Psychische Erkrankungen sind mit rund einem Drittel die häufigste Ursache für Berufsunfähigkeit.
Wie hoch sollte die BU-Rente sein?
Als Faustregel 70–80 % des Nettoeinkommens, mindestens aber so viel, dass Deine laufenden Kosten inklusive Kranken- und Pflegeversicherung gedeckt sind. Deine persönliche Lücke berechnest Du mit dem BU-Lücken-Rechner.
Was bedeutet „Verzicht auf abstrakte Verweisung"?
Ohne diesen Verzicht könnte der Versicherer im Leistungsfall argumentieren, Du könntest theoretisch einen anderen Beruf ausüben – und die Zahlung verweigern. Ein guter Tarif schließt die abstrakte Verweisung aus und leistet allein auf Basis Deines tatsächlichen Berufs.