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ETF vs. aktiv gemanagte Fonds: Was die Daten seit 30 Jahren zeigen

Aktive Fondsmanager versprechen Outperformance. Die Daten widerlegen sie — Jahr für Jahr, Studie für Studie. Warum das so ist, welche seltenen Ausnahmen es gibt, und wie du ein ETF-Portfolio aufbaust, das besser abschneidet als 90 % aller aktiven Fonds.

17. Juli 2026 ca. 5 Min. Lesezeit von Jonathan Scheele
ETF vs. aktiv gemanagte Fonds: Was die Daten seit 30 Jahren zeigen

Die Prämisse klingt überzeugend: Ein erfahrener Fondsmanager, ausgestattet mit Research-Teams, Datenbanken, jahrelanger Erfahrung und Marktzugang, sollte besser abschneiden als ein stumpfer Index, der blind Aktien nach Marktkapitalisierung hält — oder?

Die Antwort der Finanzdaten ist eindeutig. Nicht überraschend, nicht umstritten, nicht komplex — einfach eindeutig: Die überwiegende Mehrheit aktiver Fonds schlägt ihren Vergleichsindex nicht. Und je länger der Zeitraum, desto schlimmer wird es für die aktive Seite.

Das ist keine Meinung. Es sind dreißig Jahre Daten.

Was SPIVA seit Jahren zeigt

Die wichtigste Quelle für diese Diskussion ist die SPIVA-Studie (S&P Indices Versus Active), die S&P Dow Jones Indices halbjährlich veröffentlicht. Sie vergleicht die Performance aktiv verwalteter Fonds mit ihrem jeweiligen Vergleichsindex — nach Kosten, über unterschiedliche Zeiträume.

Die Ergebnisse für den europäischen Markt (Stand: jüngste verfügbare Studien):

  • Über 1 Jahr: rund 50–60 % der aktiven Fonds underperformen ihren Index
  • Über 5 Jahre: rund 75–85 % underperformen
  • Über 10 Jahre: rund 85–92 % underperformen
  • Über 20 Jahre: über 90 % underperformen

Das bedeutet: Wer einen aktiven Fonds kauft, hat auf Sicht von 10 Jahren eine historische Wahrscheinlichkeit von rund 10–15 %, besser abzuschneiden als ein einfacher Indexfonds auf denselben Markt. Auf 20 Jahre sinkt diese Chance weiter.

Das ist kein Pech. Es ist Mathematik.

Warum aktive Fonds systematisch verlieren

Das Scheitern der meisten aktiven Fonds ist kein Zufall und keine Inkompetenz. Es ist strukturell. Es gibt drei Hauptgründe:

Grund 1 — Die Kostenbelastung.

Aktiv verwaltete Fonds kosten jährlich 1,0 bis 2,5 % des verwalteten Kapitals. ETFs auf denselben Index kosten 0,05 bis 0,25 %. Die Differenz muss der aktive Fondsmanager jedes Jahr durch Outperformance aufholen, bevor er auch nur gleichzieht.

Das ist ein enormes strukturelles Handicap. Ein aktiver Fonds mit 1,8 % Jahreskosten muss den Index um 1,8 Prozentpunkte pro Jahr schlagen, nur um nach Kosten gleich gut zu sein. In guten Marktjahren ist das schwer. In normalen Jahren ist es schwer. In schlechten Jahren ist es noch schwerer — weil Verluste im Portfolio auf das verwaltete Kapital drücken, die Gebühren aber trotzdem anfallen.

Grund 2 — Markteffizienz.

Informationen über börsennotierte Unternehmen sind schnell und breit verfügbar. Quartalsergebnisse, Analystenmeinungen, Branchentrends, Makrodaten — sie alle werden von tausenden professionellen Marktteilnehmern gleichzeitig verarbeitet und in Sekunden in Kurse eingepreist. Der Fondsmanager hat keine privilegierten Informationen, die der Markt nicht bereits kennt.

Das bedeutet: Wenn er eine unterbewertete Aktie identifiziert, tun das wahrscheinlich hunderte andere Analysten zur selben Zeit. Sobald die Unterbewertung erkannt ist, ist sie weg — weil alle gleichzeitig kaufen. Die Informationsvorteil-These funktioniert in großen, liquiden Märkten kaum noch.

Grund 3 — Survivorship Bias.

In historischen Fondsvergleichen tauchen nur Fonds auf, die noch existieren. Fonds, die schlecht abschneiden, werden geschlossen oder mit anderen Fonds zusammengelegt — und aus den Statistiken herausgerechnet. Das verzerrt die Datenbasis systematisch zugunsten aktiver Fonds.

Untersuchungen, die auch geschlossene Fonds einbeziehen, zeigen: Die tatsächliche Performance aktiver Fonds ist noch schlechter als die offiziellen Zahlen suggerieren. Schätzungsweise werden jährlich 5–10 % aller aktiven Fonds aufgelöst oder fusioniert — die schlechten werden bereinigt, die guten bleiben.

Das Star-Manager-Problem

„Aber es gibt doch Ausnahmen — Fondsmanager, die den Markt Jahr für Jahr schlagen.” Stimmt. Die Frage ist: Lassen sie sich im Voraus identifizieren?

Finanzökonomen haben diese Frage intensiv untersucht. Das Ergebnis ist ernüchternd: Vergangene Outperformance ist kein verlässlicher Indikator für zukünftige Outperformance. Fonds, die in einem Jahr zu den Top-25 % gehörten, landen im Folgejahr nicht überdurchschnittlich häufig wieder in den Top-25 %. Es gibt Ausnahmen — aber keine konsistenten Muster, die eine verlässliche Auswahl ermöglichen.

Das hat eine wichtige Konsequenz: Wer einen aktiven Fonds kauft, weil er in den letzten drei Jahren gut abgeschnitten hat, setzt auf Momentum — nicht auf Können. Und Momentum funktioniert in der Fondswelt schlechter als in vielen anderen Bereichen.

Hinzu kommt: Die wenigen Fondsmanager, die tatsächlich konsistent outperformen — etwa Renaissance Technologies’ Medallion-Fonds — sind für Privatanleger schlicht nicht zugänglich. Was du bei deiner Bank oder über Online-Broker kaufen kannst, ist nicht das, was Hedgefonds-Eliten handeln.

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Wann aktives Management ausnahmsweise sinnvoll sein kann

Es wäre unfair zu sagen, aktive Fonds seien in jedem Fall wertlos. Es gibt Marktsegmente, in denen die Effizienz geringer ist und aktive Manager gelegentlich Mehrwert schaffen:

Small Caps: Kleinere Unternehmen werden von weniger Analysten beobachtet. Informationen verbreiten sich langsamer. Hier gibt es strukturell mehr Raum für Informationsvorteile — und die Datenlage zeigt, dass aktive Small-Cap-Manager häufiger outperformen als ihre Large-Cap-Kollegen.

Emerging Markets: In Märkten wie Vietnam, Nigeria oder Bangladesch ist die Markteffizienz deutlich geringer als in den USA oder Deutschland. Lokales Wissen und direkter Zugang können Vorteile bringen. Die Kosten aktiver Emerging-Market-Fonds sind allerdings ebenfalls höher — das neutralisiert den Vorteil oft wieder.

Anleihen: Fixed-Income-Märkte sind heterogener als Aktienmärkte — es gibt Millionen von Anleihen mit unterschiedlichen Laufzeiten, Emittenten und Kreditrisiken. Hier haben aktive Manager gelegentlich mehr Spielraum.

Das sind Ausnahmen, keine Regel. Und selbst in diesen Segmenten ist die Mehrheit der aktiven Fonds langfristig nicht in der Lage, ihre Kosten durch Outperformance zu rechtfertigen.

Wie ein einfaches ETF-Portfolio aussieht

Was braucht es, um besser abzuschneiden als 85 % aller aktiven Fonds? Weniger, als die meisten glauben.

Option 1 — Ein ETF: Ein MSCI World ACWI (All Country World Index) oder ein FTSE All-World ETF enthält über 3.000 Unternehmen aus entwickelten und Schwellenländern. Laufende Kosten: 0,20 bis 0,25 % pro Jahr. Ein einziger ETF, ein breites, globales Portfolio, minimale Kosten.

Option 2 — Zwei ETFs (70/30): Die unter deutschen ETF-Anlegern populärste Kombination. 70 % MSCI World (entwickelte Länder) + 30 % MSCI Emerging Markets. Etwas mehr Schwellenländer-Gewichtung, etwas mehr Diversifikation als nur ACWI. Zwei ETFs, wenig Wartungsaufwand.

Option 3 — Drei ETFs (60/20/20): Für wer mehr Kontrolle will: MSCI World + MSCI Emerging Markets + MSCI World Small Cap. Damit werden auch kleinere Unternehmen abgedeckt, die in den Standard-World-Indizes unterrepräsentiert sind.

Keines dieser Portfolios erfordert tägliche Überwachung, aktive Handelsentscheidungen oder teures Research. Es erfordert eine initiale Entscheidung und danach Disziplin, den Plan laufen zu lassen.

Was Kosten über 30 Jahre bedeuten

Eine abschließende Zahl, weil sie so selten konkret dargestellt wird:

Angenommen, du investierst einmalig 20.000 Euro über 30 Jahre bei einer Bruttomarktrendite von 7 %.

  • ETF (0,2 % Kosten): Endvermögen nach 30 Jahren: ca. 147.000 €
  • Aktiver Fonds (1,8 % Kosten): Endvermögen nach 30 Jahren: ca. 92.000 €

Unterschied: 55.000 Euro — fast dreimal das ursprünglich investierte Kapital. Verschwunden in Gebühren und entgangenen Zinseszinsen auf diese Gebühren.

Das ist der stille, unsichtbare Preis des aktiven Fondsmanagements. Er erscheint nie als Rechnung. Er zeigt sich erst nach Jahrzehnten — wenn es zu spät ist, die Entscheidung zurückzunehmen.

Fazit: Passiv schlägt aktiv — strukturell

Es ist nicht so, dass jeder Anlageberater und jeder Fondsmanager schlecht arbeitet. Viele sind klug, erfahren und engagiert. Das Problem ist strukturell: Das System, in dem sie arbeiten, macht es strukturell schwer, nach Kosten besser abzuschneiden als ein stumpfer Index.

Wer das versteht, braucht keine kompliziertere Anlageentscheidung. Ein günstiger, breit diversifizierter ETF, ein automatischer Sparplan, Geduld über Jahrzehnte — und die Bereitschaft, Langeweile als Tugend zu akzeptieren.

Das ist alles. Und es reicht.

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Jonathan Scheele

Social-Media-Agentur-Inhaber, Entwickler und Betreiber von stackero.de.